Presse und Stellungnahmen
(rückwärts-chronologisch)

Die Hervorhebungen in den Zitaten und die Kommentare in eckigen Klammern stammen von den Autoren der Website.

Die HNA-Meldungen sind ab Juli oder August 2006 nur noch sporadisch aufgeführt. Sie werden meist auf dem HNA-Forum diskutiert.

• HNA vom 15.01.2007

• Website des Vereins Bürger für das Welterbe«, September 2006

• Kunstzeitung, August 2006: »Nach hinten losgegangen«

• Pressemitteilung des Vereins »Bürger für das Welterbe«, 22.08.2006

• HNA vom 13.07.2006

• HNA vom 23.06.2006

• HNA-Serie zur Tulpenallee-Umfahrung (ab 22.06.06)

• HNA vom 14.06.2006

• HNA vom 13.06.2006

• HNA vom 12.06.2006

• HNA vom 02.06.2006

• HNA vom 01.06.2006

• HNA vom 30.05.2006

• HNA vom 27.05.2006

• HNA vom 22.05.2006: Siehe das Kapitel »Die Aufgaben der Stadt«.

• HNA vom 12.05.2006

• HNA vom 11.05.2006

• »Garten und Landschaft« 2/2006, Seite 60

• SZ vom 01.02.2006

• Resolution der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Schlösser-Verwaltungen vom 20.12.2005

• F.A.Z. vom 12.05.2005

• F.A.Z. vom 09.03.2005


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HNA vom 15.01.2007

»Das Meiste fließt in die Pflege«
Landeskonservator Prof. Gerd Weiß über die Museumslandschaft und das Welterbe
Von Ellen Schwaab

Kassel. Die hessische Landesregierung will 200 Millionen Euro in den Ausbau der Kasseler Museen stecken.

Nein. Nein. Nein. Ein Sanierungsstau von Parkgebäuden, über Jahrzehnte aufgelaufen, muß angegangen werden. Es ist verdienstlich, daß die jetzige Regierung das tut. Aber es werden eben nicht, nicht und nicht »200 Millionen Euro in den Ausbau der Kasseler Museen« gesteckt.

Die Pläne rufen nicht nur Begeisterung hervor. Kritiker befürchten, dass die geplanten Neubauten das Welterbeprädikat für den Bergpark gefährden.

Heute und morgen diskutieren Experten darüber in Kassel. Wir sprachen im Vorfeld mit Hessens oberstem Denkmalpfleger, Landeskonservator Prof. Gerd Weiß, der zum Welterbekoordinator ernannt wurde.

Die Pläne für die Museumslandschaft sehen umfassende Eingriffe wie den Bau eines Besucherzentrums vor. Gefährdet dies die Anerkennung des Bergparks als Welterbe?

Weiß: Es geht bei den Planungen der Museumslandschaft Hessen-Kassel darum, die vorhandene Qualität der landgräflichen Gärten angemessen zu erhalten und zu sichern. Gleichzeitig soll der sich nach wie vor weltweit unter Wert darstellende Standort zu einem kulturellen Anziehungspunkt für Besucher entwickelt werden, der sich seiner Bedeutung entsprechend präsentiert. In diesem Ziel kann ich keine Gefährdung der Anerkennung als Welterbe erkennen.

Auf was ist das die Antwort? Auf die Frage: »Ist schon allein im Ziel, die landgräflichen Gärten zu einem Anziehungspunkt für Besucher zu entwickeln, der sich seiner Bedeutung entsprechend präsentiert, eine Gefährdung für die Anerkennung als Welterbe zu erkennen?« Das war aber natürlich nicht die Frage. Die Frage war, ob Eingriffe wie das Besucherzentrum (gemeint ist wohl das am Herkules) die Welterbe-Anerkennung gefährden. Auf diese Frage gibt Prof. Weiß keine Antwort. Dafür aber Dr. de Jong, der deutlich gewarnt hat. Und die Planung wurde ausgesetzt. Und momentan gärt es hinter den Kulissen. Natürlich ist das Besucherzentrum eine Gefahr, und daß Prof. Weiß nicht geradeaus antwortet, ist auch eine Antwort.

Woran orientiert sich diese Einschätzung?

Weiß: Der bei Weitem größte Teil der eingesetzten finanziellen Mittel fließt in die Sicherung und Pflege der historischen Gartenanlagen und ihrer herausragenden Bauwerke. Die anteilsmäßig sehr viel geringeren Neubaumaßnahmen werden so sorgfältig wie möglich abgestimmt.

Prof. Weiß schließt also allein daraus, daß für die Bauwerke in den Parks mehr Geld ausgegeben wird als für die Museen, daß das für die Parks praktisch gar nicht schiefgehen KANN. Daß die Neubaumaßnahmen so sorgfältig wie möglich abgestimmt werden, mag für die Zukunft gelten. Für die Vergangenheit gilt es nicht. Und wenn die lächerliche Kaffeterrasse am Weißensteinflügel von Prof. Weiß abgesegnet wurde, muß auch für die Zukunft schwarzgesehen werden.

Lassen sich die möglichen Folgen für das Welterbeprädikat überhaupt voraussagen?

Weiß: Eine rechtsverbindliche Sicherheit gibt es nicht, aber es wird alles getan werden, um das Anmeldeverfahren nicht zu gefährden.

Der Verein Bürger für das Welterbe befürchtet, dass die Landesregierung zu sorglos ans Werk geht. Sehen Sie das auch so?

Weiß: Wie grundlos diese Befürchtung ist, zeigt nicht zuletzt die Tatsache, dass ich als oberster Denkmalpfleger Hessens vom zuständigen Minister Udo Corts als Welterbekoordinator eingesetzt worden bin und die Vorhaben in einem internationalen Experten-Workshop, der auf Einladung des Ministers hin zu Stande kam, auf ihre Verträglichkeit hin erörtert werden.

Ganz lustig. Umgekehrt wird ein Schuh daraus: Wenn der Verein Bürger für das Welterbe nicht seit Jahren unermüdlich darum gekämpft hätte und beispielsweise durch das Herstellen (und Halten!) des Kontaktes zu Dr. de Jong Druck ausgeübt hätte, wäre aller möglicher Unfug bereits beschlossen und im Bau - z.B. das Besucherzentrum am Herkules. OHNE Prüfung durch die ICOMOS, durch Gartendenkmalpfleger oder sonstwen. Die Entwicklungen sind erfreulich, aber sie kommen teilweise sehr spät - vielleicht zu spät (siehe Kuchenterrasse, siehe Multihalle, siehe Karlswiese), sie sind nur auf Druck zustandegekommen, und noch immer scheint die Frage der Planer zu sein: Was können wir alles kaputtmachen - und trotzdem das Prädikat bekommen?

Was genau ist Ihre Aufgabe?

Weiß: Meine Aufgabe besteht darin, die Arbeit der bestehenden hessischen Welterbestätten zu koordinieren und die Aktivitäten zu vernetzen sowie die Anmeldeverfahren für künftige Stätten in Hessen zu beraten und zu betreiben.

Welche Themen werden bei dem Workshop besprochen, und wer nimmt daran teil?

Weiß: Bei dem Workshop geht es darum, sich über die Bauvorhaben im Zusammenhang mit den landgräflichen Gärten in und um Kassel und ihre Vereinbarkeit mit der Welterbeanmeldung auszutauschen. Es nehmen Denkmalpfleger, Museumsfachleute und Kulturmanager aus dem In- und Ausland teil, die bei der Unesco-Kommission als ausgewiesene Experten auf diesem Gebiet Gehör finden.

Welche Erkenntnisse erhoffen Sie sich von dem Treffen?

Weiß: Das Ziel der hessischen Landesregierung ist es, die vorgesehenen Maßnahmen mit einem möglichst hohen Maß an Verbindlichkeit auf ihre Vereinbarkeit mit der Welterbeanmeldung hin abzustimmen, und ich hoffe, dass dies gelingt.

Wie soll es weitergehen?

Weiß: Es ist beabsichtigt, auch künftig im Rahmen solcher Expertenrunden nicht nur die Landesprojekte, sondern auch die sonstigen großen Bauvorhaben, die im Umfeld der landgräflichen Gärten stattfinden, wie zum Beispiel die von der Stadt Kassel geplante Multifunktionshalle zu erörtern, um die Welterbeanmeldung nicht zu gefährden.

Wie gesagt: Zeit wird es. Eine solche Expertenrunde wäre selbstverständlicher Teil jeder professionellen Planung gewesen, noch bevor das dicke Machbarkeits-Studien-Umsetzungs-Planungs-Ideen-Sammlungs-Dingsbums zuende geschrieben, geschweige denn veröffentlicht worden wäre. Was die Expertenrunde ist: Der Versuch einer Kurskorrektur, und insofern löblich. Was die Expertenrunde nicht ist: Ein rechtzeitig einberufenes Gremium als Teil einer glaubwürdigen Planung.

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Website des Vereins »Bürger für das Welterbe« (auf den Namen Klicken): Wir möchten auf den dort veröffentlichten Vortrag von Dipl. Ing. Peter Jordan, Monitoring-Beauftragter, hinweisen, der zur gartendenkmalpflegerischen Seite der Museumslandschaft (präziser: deren Fehlen) Aufschlußreichstes bringt.

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Kunstzeitung, August 2006
Alfred Nemeczek: »Nach hinten losgegangen«
Minister Corts nahm den Mund zu voll – sein Kasseler ›Museumsparadies‹ ist unbezahlbar

Hier klicken für den ganzseitigen Artikel als Bild-Datei. Und erneut die Frage: Wo bleibt die erste positive Pressemeldung, die nicht von einem der Planer verfaßt wurde?

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22.08.2006: Pressemitteilung des Vereins »Bürger für das Welterbe e.V.« (zum Verein: siehe »Links«)

Welterbe ade!?
Besucherzentrum am Herkules zerstört das Gartendenkmal Bergpark

Der im Wettbewerb vorgelegte Entwurf des Architekten Staab, Berlin, für das neue Besucherzentrum am Herkules zerstört das Gartendenkmal am Oktogonplateau. Die sorgfältige und von der Bürgerschaft mit fast einer halben Million unterstützte Sanierung des Herkules wird damit konterkariert. Der weite Blick vom Oktogon in die Landschaft wird durch das geplante Gebäude zur Hälfte komplett verstellt. Warum zudem die Besucher zunächst bergab geführt werden, um dann in dem zweigeschossigen Gebäude per Rolltreppe und Aufzug wieder nach oben geschickt zu werden, bleibt unerfindlich. Warum ohne Not und funktionale Vorteile der Neubau sehr teuer ausgerechnet in der Böschung errichtet werden soll, ist aberwitzig. Handelt es sich gar um die nachwirkende Planereitelkeit der Museumslandschaftsgutachter von Albert Speer und Partner, die den Bau unbedingt in die »Achse« des Oktogons stellen wollen? Ist es zuviel verlangt, wenn planende Architekten sich einem bedeutendem historischen Kulturdenkmal gegenüber zurücknehmen?

Das Land ist als oberster Denkmalschützer verpflichtet, sich als Bauherr selbst zu kontrollieren. Laut Denkmalschutzgesetz hat die Landesregierung »Kulturdenkmäler zu schützen, zu erhalten sowie Gefahren von ihnen abzuwenden.« Denn »Eigentümer, Besitzer und Unterhaltungspflichtige von Kulturdenkmälern sind verpflichtet, diese im Rahmen des Zumutbaren zu erhalten und pfleglich zu behandeln. Die Genehmigung, in der Umgebung eines Kulturdenkmals Anlagen zu errichten, die sich auf das Erscheinungsbild des Kulturdenkmales auswirken, soll nur erteilt werden, wenn überwiegende Gründe des Gemeinwohls dem nicht entgegenstehen.«

Die Bürger für das Welterbe erwartet von der Landesregierung und der Stadt Kassel nichts weiter, als dass die Museumlandschaftsplanung nicht zerstörend in das Garten- und Baudenkmal Bergpark eingreift. Das neue Besucherzentrum kann, abgeschirmt vom Herkulesoktogon, ebenerdig für jung und alt zugänglich, direkt unter den Bäumen des nahegelegen Parkplatzes errichtet werden.

Das Gemeinwohl verlangt kein Architektendenkmal.

Prof. Hardy Fischer
Vorsitzender

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Das Chaos geht weiter: Da die großen Fragen bisher noch nicht einmal gestellt, geschweige denn beantwortet sind, verzettelt man sich, auf bewährtem unterstem Niveau, in Teilfragen, deren Relevanz niemand beurteilen kann:

HNA vom 13.07.2006 (Hier klicken für den Beitrag mit sehenswertem Bild):


Ein Truck spielt Tram
Diskussion um Straßenbahn im Bergpark scheint beendet - Busse sollen kommen Von Ralph-Michael Krum

Bad Wilhelmshöhe. Der Ortsbeirat rief, und die Bürger kamen nicht. Einbringen sollten sie sich, die Menschen aus Bad Wilhelmshöhe, in die Diskussion um Touristen, Museumslandschaft, Stadtteilentwicklung und Bergpark. Statt des großen Andrangs zur Ortsbeiratssitzung mit Bürgerfragestunde aber verloren sich am Mittwochabend lediglich 25 Menschen im Saal der Gaststätte "Zum Rammelsberg". Beherrschendes Thema der Sitzung: Tourismus im Bergpark.

[Am gleichen Tag, zur gleichen Stunde sprach im Stadtmuseum Dipl.-Ing. Peter Jordan, UNESCO-Monitoring-Beauftragter für Gartendenkmalpflege, eine sehr aufschlußreiche Veranstaltung, von der man sich Neuigkeiten versprach und sie bekam. Und die Ortsbeiratssitzung war danach und sehr kurzfristig angesetzt worden. Und die Bürger sollten sich "einbringen", hehe!]

Die Stadt will die Touristenströme. Der Ortsbeirat und kassel tourist als Vermarkter der Stadt auch. Wie diese, sind sie erst einmal da, kanalisiert werden sollen, darüber gehen die Meinungen weit auseinander. Dass es die Variante mit einer Verlängerung der Straßenbahnlinie von der Endstation in den Bergpark hinein nicht geben wird, machte Carl Flore, Abteilungsleiter Stadtplanung, deutlich.

[... Carl Flore, der als Meister der Denkverbote und, äh, Teilwahrheiten schon in der Bürgerbeteiligungs-Simulation aufgefallen war ...]

Zahlen belegen, warum die Stadt Kassel den Busverkehr favorisiert. Während ein Bus - ein Modell, angetrieben durch Gas, Wasserstoff oder Strom ist in der Diskussion - für 45 000 Euro jährlich seinen Dienst verrichten würde, lägen die Betriebskosten für die Tram um 625 000 Euro höher. Hinzu kämen noch 2,8 Millionen Euro, die nötig wären, um die Straßenbahnstrecke zu verlängern und eine Wendeschleife am Schloss zu bauen.

[Achtung, längere Unterbrechung (in Blau): Der Beitrag #206 des Museumslandschaft-Threads im HNA-Internet-Forum:

Und um einer im HNA-Artikel genannten Zahl den Schrecken zu nehmen:

Nehmen wir mal an, die 2,8 Millionen Euro zur Verlängerung der Linie 1 stimmen. Das Projekt wäre nach GVFG förderfähig, d.h. es wäre mit 85% Landesförderung zu rechnen. Damit bleiben als Eigenanteil 420.000 Euro als Eigenanteil bei der KVG.

Außerdem ist die Zahl von 625.000 Euro Betriebskostenunterdeckung für diesen Streckenabschnitt völlig aus der Luft gegriffen. Dafür ist noch keine seriöse Grundlage geliefert worden.

Die Gegenrechnung auf der Grundlage des Museumskonzepts:

Anschaffung von vier Midi-Bussen: 900.000 Euro. Ausbau der Serpentinen: ca. 380.000 Euro. Aber vier Busse werden zu Stoßzeiten (Wasserspiele) nicht ausreichen.

Was sagt uns das? Die Verlängerung der Linie 1 ist deutlich billiger - und das System um ein Vielfaches attraktiver. Die Betriebskosten dürften für das Bussystem deutlich über denen der Straßenbahn liegen - zumal die Busse über den Winter als totes Kapital in der Garage stehen.

Wenn das Land von dem Geld, das sie für die Busse und den Ausbau der Serpentinen vorgesehen hat, ein Drittel als Eigenanteil für die Verlängerung der Linie 1 zur Verfügung stellt und die Maßnahme bei der GVFG-Förderung in die Priorität nimmt, ist das Projekt im Sack. Man muss es nur wollen.

Und auf einmal liest sich der HNA-Artikel völlig anders.

Es sind noch keine Würfel gefallen. Sondern der Groschen.

Es bleibt dabei: Die Bergparkbusse sind verkehrlich und wirtschaftlich ein grober Unfug!!!

Weiter im HNA-Text:]

Sollte ein regelmäßiger Busverkehr eingerichtet werden, so soll er zwischen dem noch zu bauenden Besucherzentrum an der Endstation der Linie 1 und dem Schlossplateau pendeln. An wie viel Monaten genau, steht noch nicht fest. "In den Wintermonaten haben wir ohnehin so wenig Besucher, dass sich der Busbetrieb nicht rechnen würde", sagt Flore. So einleuchtend Flores Aussage klingt; Natascha Callebaut von kassel tourist ist nicht damit einverstanden. Ihrem Einwand, dass mit Einführung eines solchen Busses die Durchfahrgenehmigung für Reisebusse erlösche ("Das ist absolut touristenfeindlich"), hatte Carl Flore nichts entgegenzusetzen.


[Mit kassel tourist habt, soweit bekannt, die Stadt immer noch nicht gesprochen. Wer auch, worüber auch, und auf welcher Basis? Eine Gartendenkmalpflege, die hier unbedingt mitreden müßte, gibt es bekanntlich nicht mehr für unser wohl nicht-mehr-zukünftiges Welterbe. Avanti Dilettanti!]

Um sich zu veranschaulichen, wie eine Straßenbahn am Schloss wirken würde, ließ Bad Wilhelmshöhes Ortsvorsteher Martin Engels gestern Nachmittag einen Truck vor dem Marstall neben dem Schlosshotel vorfahren. "Der ist von der Größe her einer Tram sehr ähnlich", sagt Engels. In der Bewertung des Resultats waren sich die fünf anwesenden Mitglieder des Ortsbeirats beim Anblick des Lkw einig. "Ich bin erschlagen von diesem Riesending, das verändert den gesamten Platz in seiner Atmosphäre", sagte Engels. "An dieser Stelle sind Historie und moderne Technik nicht zu vereinbaren."

[Spätestens hier versiegt jedes Verständnis und jeder Humor. Man stellt einen Lastwagen an eine Stelle, an der noch kein Planer eine Straßenbahn haben wollte, findet ihn dort häßlich - und die Straßenbahndiskussion "scheint beendet". Ich verweise auf meinen Beitrag im genannten Forum; hier klicken.]

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[Ein Kommentar zum folgenden Beitrag erübrigt sich:]

HNA vom 23.06.2006:

Sprudeln bleibt lange aus

Sanierung des Steinhöfer-Wasserfalls unterbrochen - Es fehlen 1,2 Millionen Euro Von Christina Hein

Kassel. Vor ein paar Tagen stand er noch, weithin sichtbar, jetzt ist er fort: der große Baukran am Steinhöfer-Wasserfall im Bergpark Wilhelmshöhe. Ist das nun ein gutes Zeichen? Sind die seit 2004 laufenden Sanierungsarbeiten an der von Wasserinspektor Karl Steinhöfer entworfenen Attraktion endlich abgeschlossen? Weit gefehlt.

In diesem Jahr und voraussichtlich auch 2007 wird sich am Steinhöfer-Wasserfall nichts mehr tun. Vielleicht wieder im Jahr 2008, wie ein Insider auf Anfrage der HNA sagt. Die Baustelle ist für längere Zeit stillgelegt. Das heißt auch: Zur documenta 12 wird er nicht sprudeln, der Steinhöfer-Wasserfall.

400 000 Euro sind bislang in die Sanierung investiert worden, vor allem in die Abdichtung der Wasserbecken, die das Wasser für den künstlichen, senkrecht in den Berg gebauten Wasserfall stauen. Nicht nur am ebenfalls sanierungsbedürftigen Herkules, auch am unweit der Löwenburg gelegenen Wasserfall hatte der Zahn der Zeit genagt. Die Anlage mit den aufgestellten Basaltsäulen war wackelig und undicht geworden. Zu viel Wasser versickerte im Untergrund. Das Wasser wird aber auch für die tiefer liegende Fontäne, den Abschluss der Wasserspiele, gebraucht. Zur Sanierung des Wasserfalls war auch die Wiederbewaldung der romantischen Komposition vorgesehen. Mithilfe der Aufforstung sollen der Moosbefall und das Wachstum der Farne verhindert werden. Seit 2003 war der Wasserfall außer Betrieb.

Die Arbeiten liefen gut an. Dann kam das Projekt Museumslandschaft Kassel des Hessischen Kunstministeriums. Die Sanierung des gesamten Steinhöfer-Wasserfalls inklusive der oberen Becken, wurde in das Konzept integriert. Die weitere Finanzierung der Arbeiten - es sind noch einmal 1,2 Millionen Euro, die investiert werden müssen - war zunächst infrage gestellt, dann gesichert, aber bis heute noch nicht bewilligt, so ein Experte.

Jetzt bleibt das Geld für die Fortsetzung der Arbeiten erst mal aus. »Es hätte mich gefreut, wenn die Sanierungsarbeiten nahtlos ineinander übergegangen wären«, sagt Michael Boßdorf, Abteilungsleiter Garten bei den Staatlichen Museen Kassel.

Vom Hessischen Baumanagement, dem Bauherrn, war gestern keine Stellungnahme zum Steinhöfer-Wasserfall zu bekommen.

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HNA-Serie zur Tulpenallee-Umfahrung

Die etwa 7 Varianten zur »Park-Entlastung« (die offensichtlich nur eine Museums-Entlastung auf Kosten des Parks ist), werden seit dem 22.06. in einer Serie vorgestellt. Die stereotype Passage »Keine Antwort gibt der Untersuchungsbericht auf die Frage, ob die Umgehungsstraße die Bewerbung von Schloss und Park Wilhelmshöhe für das Weltkulturerbe gefährden könnte« zeigt die Schwachstelle der Planung: Man hat die Sachverständigen der UNESCO nicht hinzugezogen. Da dies ein Leichtes wäre, bleibt nur einmal öfter Erstaunen. Zu sämtlichen Umfahrungen siehe das Kapitel »Berichte« auf dieser Website, dort »Rundgang über das Parkvorfeld«.

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HNA vom 14.06.2006:


Kulturnetz will mehr mitreden
In Sachen Museumsplanung erhebt der Verein besondere Ansprüche auf Mitsprache


[Dieser Beitrag ist im Museumslandschafts-Forum der HNA nachzulesen, als kommentierter Beitrag #126 (von "Kalauer"), im nächsten Beitrag kommentiert von F.F. Hier klicken.]

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HNA vom 13.06.2006:


Ihre Kultur ist den Kasselern wichtig
250 Interessierte bei Bürgerbeteiligung zur Museumslandschaft, Ergebnisse nach weiterem Treffen im Herbst

KASSEL. Wenn es um die kulturelle Entwicklung ihrer Stadt geht, sind die Kasseler belastbar: Weder kurzfristige Einladung noch ungünstiger Nachmittagstermin noch die sommerliche Hitze in und außerhalb des Saales konnte die Beteiligung einschränken. Mehr als 250 Interessierte wollten wissen, wie das Projekt Museumslandschaft weitergeht, und waren gestern im Philipp-Scheidemann-Haus zur Stelle.

"Die Stadt nimmt Stellung" war angekündigt, zur Museumslandschaft, in die das Land Hessen in den nächsten Jahren 200 Millionen Euro investieren wird. Ein gemeinsames Projekt, wie Oberbürgermeister Bertram Hilgen betonte, denn für Besucher spiele es keine Rolle, wer der Träger eines Museums ist, er interessiere sich für spannende Präsentationen.

Ziel der Bürgerbeteiligung sei es, bis Ende 2006 die zentralen Fragen der Weiterentwicklung der Museen durch schlüssige Konzepte beantwortet zu haben.

Bevor Bürgermeister Thomas-Erik Junge und Stadtbaurat Norbert Witte die stadtplanerischen und verkehrsplanerischen Aspekte vorstellten (HNA berichtete), fasste Dr. Michael Eissenhauer, Direktor der staatlichen Museen Kassel, die geplante Neuordnung zusammen: Fürstlicher Kosmos, Geschichte und Geschichten und Kassel modern sind die Schwerpunkte, die von den Weltmarken Herkules, Brüder Grimm und documenta abgeleitet werden. Ziel der Sanierung und Erweiterung von Museen und Neuordnung der Sammlungen in der Innenstadt und in Bad Wilhelmshöhe seien eine Verdoppelung der Besucherzahlen auf 800 000 und ein zweistelliger Eigenfinanzierungsgrad statt derzeit sechs bis acht Prozent.

In Arbeitsgruppen sammelten die Bürger ihre Anregungen. Großen Raum nahmen Verkehrsfragen in und um den Bergpark ein. Ist ein Buspendelverkehr sinnvoll oder eine Verlängerung der Straßenbahnlinie zum Schloss? Soll die Tulpenallee für Durchgangsverkehr geschlossen werden, welche Umgehungen kämen infrage? Verlangt wurden Informationen, welche Anforderungen für eine Aufnahme des Bergparks in das Weltkulturerbe bestehen. Auch die Planung für ein documenta-Haus und für das Brüder-Grimm-Museum wurden kontrovers diskutiert.

Die aufgeworfenen Fragen werden Arbeitsgruppen der Verwaltung zugeleitet. Im Herbst sollen auf einer weiteren Bürger-Veranstaltung schon konkrete Lösungen diskutiert werden. (hoh/w.f.)


[Diese Veranstaltung ist im HNA-Forum ausgiebig kommentiert worden, unter anderem von Stefan Lange, Philipp Schwarz und F.F.; und zwar in den Beiträgen ab #113. Hier klicken.]

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HNA vom 12.06.2006:


Mitarbeit gefordert

KASSEL. Die kulturpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Dr. Monika Junker-John, kritisiert die Auftaktveranstaltung "Bürgerbeteiligung Kasseler Museumslandschaft". "Da relativ kurzfristig eingeladen wurde, der Termin noch dazu mitten in der Woche liegt, können manche sachkundige und interessierte Bürger überhaupt nicht teilnehmen", befürchtet die Kasseler Stadtverordnete.

Noch weit kritikwürdiger sei es allerdings, keine Arbeitsgruppen zum Gesamtkonzept und zu den Landesplänen für die Staatlichen Museen einzurichten. Es sei zum Beispiel keine Arbeitsgruppe vorgesehen, die sich mit dem Konzept des "fürstlichen Kosmos" beschäftige.

"Es gibt jedoch dezidierte Ansichten, auch Kritik von Bürgern am Gesamtkonzept, inklusive alternativer Szenarien." Man sollte auch kritische Stimmen hören und weitere Arbeitsgruppen einrichten, fordert die Stadtverordnete. (hoh)


[Eine wichtige Stimme! Das unglaubliche Doppelmanko der Museumslandschafts-Planung, nämlich erstens eine mangelhafte, allseits in Grund und Boden kritisierte Inhaltsplanung und zweitens die reflektionsfreie Umsetzung dieser Inhaltsplanung, wird hier pointiert angesprochen.]

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[Wenige Tage vor der »Bürgerbeteiligung« (siehe den HNA-Beitrag vom Vortag) wird klar gemacht, daß schon alles klargemacht ist:]

HNA vom 01.06.2006:
Geld fließt in Park und Museen
Von Dirk Schwarze

KASSEL. Nicht alles, was im 800 Seiten starken Gutachten zur Museumslandschaft steht, kann in absehbarer Zeit verwirklicht werden. Denn die Vorstellungen, die dort entwickelt werden, erfordern im Falle einer Umsetzung weit mehr Investitionen als die vom Land bereitgestellten 200 Millionen Euro. Darauf hat Kunstminister Udo Corts wiederholt hingewiesen. Aber genauso wichtig ist es ihm, zu betonen, dass der größte Teil der Investitionssumme bereits im Etat verankert ist.

Aus der Sicht von Corts gibt es für die Zeit bis 2011 einen festen Fahrplan, nach dem 15 Projekte in Angriff genommen und 141,43 Millionen Euro ausgegeben werden sollen. Die Maßnahmen sollen nicht allein die Attraktivität der Museumslandschaft steigern, sondern auch der Bewerbung um die Aufnahme in die Weltkulturerbeliste dienen.
[Die UNESCO-Bewerbung liegt nach wie vor brach, um das mal ganz deutlich zu sagen. Wir haben seit der Eingliederung der drei in Frage kommenden Parks - Wilhelmshöhe, Wilhelmsthal, Karlsaue - in die Staatlichen Museen eine gartendenkmalpflegerisch dramatisch verschlechterte Situation. Und Dr. Robert de Jong, über ihn auch weiter unten, hat schon vor über einem Jahr öffentlich mitgeteilt, daß weder klar ist, ob alle drei Parks Bestandteil des Antrags sind (bislang weiß die UNESCO nur vom Bergpark), noch, wie der Antrag überhaupt heißt und wie er begründet ist. Das seien gravierende Mängel, die man möglichst rasch beseitigen müsse. Siehe hierzu auch den Vortrag von Peter Jordan; nähere Hinweise weiter unten, am Ende des kommentierten HNA-Beitrags vom Vortag.]

In einem Gespräch mit der HNA, über das wir berichteten, erläuterte Corts seine inhaltlichen und zeitlichen Vorstellungen:

Herkulesbauwerk: Bis August soll der Herkules eingerüstet sein. Schrittweise soll das Bauwerk saniert werden. Die Baustelle soll zur "Schaustelle" werden und abschnittsweise geöffnet werden. Ein Besuchergerüst bis zur Herkulesfigur ist vorgesehen (21 Millionen Euro, Ende: 2011).

[Daß das Herkulesbauwerk gründlich saniert wird, ist hervorragend und der Welterbe-Bewerbung unbedingt förderlich. Das geschieht ganz offenbar auf höchsten Niveau und mit größter Sorgfalt. Wie wohl es tut, etwas rundum Positives schreiben zu können.]

Besucherzentrum am Herkules: Ein Pavillonbauwerk mit Informationen zum Bergpark und zu den Museen, Museumsshop und Cafeteria (2,56 Millionen Euro, Baubeginn und -ende 2007).
[Die Planung des Besucherzentrums ist eine der pannenreichsten Geschichten der gesamten Museumslandschaft-Planung. Die Ausschreibungsunterlagen waren so fehlerhaft, daß Büros, die sich genau an die Vorgaben gehalten hatten, aus der Wertung fliegen mußten. Der mit der UNESCO in engstem Austausch stehende langjährige Präsident der ICOMOS-IFLA, Dr. Robert de Jong, konnte vom Welterbe-Verein gerade noch in die Kommission gebracht werden. Er ist seit Monaten unverständlicherweise nicht mehr konsultiert worden. Ein Konzept für Besucherführung in der Museumslandschaft existiert genauso wenig wie ein Verkehrskonzept. Dennoch will man anfangen zu bauen Das ist, eine feinere Formulierung will sich nicht einstellen, Pfusch.]

Landesmuseum: Um- und Ausbau von Erd- und Untergeschoss mit Einbau einer Cafeteria und eines Museumsshops, Öffnung zum Murhardpark (1. Bauabschnitt, 11,6 Millionen Euro, Bauzeit 2007-2009).
[Was man mit dem Landesmuseum und dem Brüder-Grimm-Platz will, weiß man noch nicht. Daß die Fassade des sehr wertvollen denkmalgeschützten Baues schwer beschädigt werden soll, steht aber schon fest. Das bedeutet: Bauwut statt nachhaltiger Konzeptentwicklung.]

Neue Galerie: Innerer Umbau mit neuem Lichtdach, Einbau einer Klimaanlage (1. Bauabschnitt, 16 Millionen Euro, Bauzeit: Herbst 2007-2009).
[Das klingt erfreulich!]

Löwenburg: Sanierung, Ausbau des Museums in historischen Räumen, Wiederaufbau des Bergfrieds (19,5 Millionen Euro, 2007/08-2010).
[Für die Sanierung der Löwenburg gilt das Gleiche wie für die des Herkulesbauwerks: Längst überfällig, hervorragend, daß es endlich angegangen wird. Den Ausbau des Museums in der Löwenburg wird man sich noch genauer ansehen müssen, ebenso die Erschließung für das Publikum.]

Weißensteinflügel: Instandsetzung und Ausbau. Einbeziehung des 2. und 3. Obergeschosses in die Museumsnutzung, Einbau von Service-Einrichtungen im Souterrain (24 Millionen Euro, 2008-2010).
[Zum Weißensteinflügel sei auf die Resolution der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Schlösserverwaltungen verwiesen, siehe weiter unten auf dieser Seite. Soweit bekannt, hat es auf diese Resolution nie ein Echo gegeben.]

Ballhaus: Sanierung und Ausbau zur ganzjährigen Nutzung als Ausstellungs- und Veranstaltungsort (3,1 Millionen Euro, 2007-2008).

[Das klingt erfreulich!]

Stationsgebäude: Das Haus an der Endstation der Linie 1 soll saniert und provisorisch als Besucherzentrum genutzt werden (1,4 Millionen Euro, 2006-2007).
[Hier gilt das gleiche wie für das Herkules-Besucherzentrum: Konzeptloses Basteln unter Beschädigung des Bergparks. Zwei Besucherzentren für Wilhelmshöhe, keines für die Stadt.]

Ökonomiegebäude: Der Bau, der zum Marstall gehört, soll umgebaut werden, um Verwaltung und Bibliothek aus Schloss Wilhelmshöhe zu übernehmen (3,31 Millionen Euro, 2008-2009).
Depot- und Werkstattgebäude: Für die Depots und Werkstätten aus dem Schloss wird in Schlossnähe ein Außendepot geschaffen (12 Millionen Euro, 2008-2009).

[Weil das Ökonomiegebäude nicht mehr für die Großgeräte zur Verfügung steht, muß ein Neubau in die Kernzone gestellt werden. Und das ohne UNESCO-Befragung und ohne ergebnisoffene gartendenkmalpflegerische Konsultation. Eines der zahlreichen Beispiele für die Förderung der Museumslandschaft auf Kosten der Welterbe-Bewerbung.]

Besucherzentrum am Schloss: Informationspavillon am unteren Parkzugang. Standort noch unbekannt (2,39 Millionen Euro, 2009-2010).
[Wie, noch ein Besucherzentrum in Wilhelmshöhe? Am unteren Parkzugang? Zunächst unverständlich. Ist das Endhaltestellen-Besucherzentrum gemeint?]

Parkarchitekturen: Instandsetzung der kleineren Bauwerke im Park (2 Millionen Euro, ab 2007).
[Sehr erfreulich und Welterbe-förderlich.]

Wasserwege: Die barocken Wasserspiele sollen saniert werden (1. Bauabschnitt 11,6 Millionen Euro, ab Sommer 2006).
[Ebenso erfreulich. Wobei auffällt, daß für eigentliche gartendenkmalpflegerische Maßnahmen kein Geld vorhanden ist. Und hier liegt vieles sehr im Argen; der jetzige Zustand ist wohl nicht welterbe-tauglich; er verschlechtert sich schon seit Jahren, und ein Ende ist nicht abzusehen.]

Verkehrserschließung: Rund um das Besucherzentrum am Herkules soll der ruhende und fließende Verkehr neu geregelt werden. Der Schlangenweg südlich der Kaskaden soll für den Buspendelverkehr ausgebaut werden (7,2 Millionen Euro, ohne Zeitangabe).

[Für den Verkehr im Park und um den Park herum gibt es noch kein glaubwürdiges Konzept.]

Parkgastronomie: Das Restaurant am Herkules, das Kaskadenrestaurant und das Café am Wachgebäude sollen in Absprache mit der Denkmalpflege umgestaltet werden (1. Bauabschnitt 3,77 Millionen Euro, ohne Zeitangabe).
[Das ist erfreulich und vielleicht eine Chance, die Kommunalstraße durch den Park für den Verkehr zu sperren, wie schon seit vielen Jahren von wirklich allen Seiten gefordert.]

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HNA vom 01. Juni 2006:

Termin für Bürgerbeteiligung gefunden
Am 13. Juni sollen die Pläne für die Museumslandschaft diskutiert werden

Kassel. Seit Wochen sucht Bürgermeister Thomas-Erik Junge einen Termin, um die Pläne zur Neuordnung der Kasseler Museumslandschaft mit Experten und den Kasseler Bürgern zu diskutieren. Jetzt steht der Termin fest, wie Junge gestern auf HNA-Anfrage bestätigte. Am 13. Juni im Philipp-Scheidemann-Haus werden Oberbürgermeister Bertram Hilgen, Bürgermeister Junge, Prof. Wolfgang Leonhard, Staatssekretär im Kunstministerium, Museumschef Dr. Michael Eissenhauer und ein Vertreter des städtischen Bauderzernats mit Interessierten diskutieren.
[12 ganze Tage vor dem Termin wird dieser bekanntgegeben. Nach Wochen der Suche. Auf Nachfrage der HNA. Und welche »Experten« sind gemeint - Herr Prof. Leonhard vom planenden Ministerium und Herr Dr. Eissenhauer als Chefplaner, und das war es? Da kann man auf die Kontroversen gespannt sein, die die Experten vor der staunenden Bügerschaft austragen werden. Vor den Kreisen der Bürgerschaft, die ohne Terminkalender auskommen und die innerhalb von 12 Tagen einen halben Tag freimachen können, zu einer Uhrzeit, die, siehe weiter unten, noch nicht bekannt ist.]

Die Einladungen gehen laut Junge zunächst an die Teilnehmer der Open-Space-Konferenzen zur Kasseler Kulturhauptstadt-Bewerbung. Darüber hinaus sollen weitere interessierte Bürger die Gelegenheit haben, sich an den Debatten zu beteiligen. Die Konferenz wird mittags beginnen, die genaue Zeit wird noch mitgeteilt. Die Experten werden die Pläne vorstellen, Arbeitsgruppen werden die Anstöße aus den Gesprächen vertiefen. (hoh)
[Das Kürzel der Autorin, »hoh«, wirkt hier wie ein unwillkürlicher Hohnes-Ausruf angesichts solcher Planung. Die Bürger, die sich einfinden werden, haben sich also spontan zu halbtägigen Arbeitsgruppen zu melden, in denen die Anstöße aus den Expertengesprächen vertieft werden, und das war es dann mit der Bürgerbeteiligung. Da bleibt nur zu hoffen, daß einige Bürger durch eigene Anstöße anstößig werden. - Am selben Abend findet, wohl wirklich zufällig, eine zum Thema passende Veranstaltung statt, hier die längst veröffentlichte Ankündigung von der Welterbe-Website:]

Vortrag Stadtmuseum am Ständeplatz, 13.06.2006 um 19:30 Uhr

Zu den Absichten der Museumsparkplaner und des von der Landesregierung angestrebten Kulturvertrages mit der Stadt Kassel dürfte dieser Vortrag einiges beitragen. Greifen doch neue Besucherzentren, Verkehrsführungen und Großparkplätze nach jetzigem Planungsstand zerstörend in das Gartendenkmal Bergpark ein und bringen ohne Not die Anerkennung als Weltkulturerbe leichtfertig in Gefahr.

UNESCO-Welterbe-Gärten und deren Qualitätssicherung.
Zur Überprüfung historischer Gärten und zeitgemäßer Gartendenkmalpflege.

Der Landschaftsarchitekt, ö.b.u.v. Sachverständige und Monitoring-Beauftragte
Dipl.-Ing. Peter Jordan berichtet aus der Praxis.

Ein historischer Garten, vor allem dann, wenn er authentisch und nahezu unversehrt ist, ist ein großes Geschenk. Als Gartendenkmal ausgewiesen, ist es eine gesetzliche Verpflichtung von Verfassungsrang. Was ein solcher Garten nicht ist: Eine Freifläche für jede beliebige Nutzung und Planung. Welche Zuwendung einem solchen Schatz zukommen muss, darüber spricht Peter Jordan.

Eine Veranstaltung des Vereins Bürger für das Welterbe e.V.

* * *

HNA vom 30. Mai 2006:

»Ausbau soll bald beginnen
Kulturdezernent Thomas-Erik Junge zum Grimm-Museum - Erweiterung der Remise Von Dirk Schw
arze

Kassel. Innerhalb der nächsten vier Wochen soll der Magistrat grünes Licht für den Ausbau und eine erste Erweiterung des Brüder-Grimm-Museums geben. Für die Maßnahmen stehen im städtischen Haushalt (für die Jahre 2006 bis 2008) 1,7 Millionen Euro zur Verfügung.

Wie Bürgermeister und Kulturdezernent Thomas-Erik Junge gestern in einer Pressekonferenz im Rathaus erklärte, sollen unter Einbeziehung des Nebengebäudes (Remise) die Museumsräume erweitert werden. Dabei könnte, wie der mit der Vorplanung beauftragte Architekt Prof. Manfred Hegger ergänzte, darüber nachgedacht werden, das Remisengebäude bis zur Bebauungsgrenze an der Frankfurter Straße zu verlängern und das Haus in Korrespondenz zum Palais Bellevue aufzustocken. Gleichfalls sei zu prüfen, einen neuen Museumszugang mit Foyer und Garderobe entweder vom Innenhof/Garten oder von der Schönen Aussicht aus zu schaffen.
[Wir halten fest: Wie Thomas-Erik Junge erklärte, soll das Museum im Palais bleiben und an diesem Standort erweitert werden. Punkt.]

Nach Heggers Worten soll für die Arbeiten ein Architekturbüro gefunden werden, das in der Umgestaltung von Museen über Erfahrungen verfügt. Der Entwurf für die Neugestaltung des Remisengebäudes solle an dieser Stelle ein Zeichen setzen.
[So sehr ich die Arbeit von HHS schätze: Wenn das Palais Bellevue wegen seiner historischen Qualität und Schönheit geschätzt wird, braucht man daneben kein Zeichen zu setzen.]

Nach Vorstellung von Junge soll das Palais Bellevue zusammen mit dem Anbau zu einem Literatur- und Personenmuseum ausgebaut werden. Das Märchenthema solle, so wie es das Museumskonzept des Landes vorschlägt, am Weinberg angesiedelt und ausgestaltet werden.
[Eine der absonderlichsten Ideen des Museumskonzepts soll damit verwirklich werden: Die Märchen-Wunder-Kinder-Disneywelt am Weinberg, oberhalb der mehrspurigen Weinberg-Stadtautobahn. Der wohl ungeeignetste Ort Nordhessens.]

Ausführlich setzte sich Junge in der Pressekonferenz mit der Frage auseinander, ob, wie an dieser Stelle mehrfach vorgeschlagen, das Grimm-Museum nicht an den Brüder-Grimm-Platz in die nördliche Torwache und das Gebäude des Verwaltungsgerichtshofes umsiedeln könne. Er selbst, so sagte Junge, wolle sich dem Gedanken nicht verschließen.
[Wie bitte? Oben haben wir festgehalten: Junge ist für den Verbleib des BGM im Bellevue. Punkt. Und das bedeutet, daß er sich dem Gedanken einer Umsiedlung verschließt. Punkt.]

Die Stellungnahmen von Justizministerium, Kunstministerium und dem Verwaltungsgerichtshof würden zwar einen Umzug des Gerichts nicht grundsätzlich ablehnen. Doch würde die Stadt, wollte sie sich auf die vagen Andeutungen einlassen, für Jahre die Erweiterung des Museums liegen lassen müssen. Außerdem wäre mit hohen Umbaukosten zu rechnen.
[1. Die Kosten eines Umbaus am perfekten Standort müßten mit den Kosten eines Umbaus am unpassenden jetzigen Standort verglichen werden. Solange das nicht geschehen ist, wirkt das Kostenargument vorgeschoben. - 2. Es spricht nicht der geringste Sachgrund dagegen, die Erweiterung des Museums noch aufzuschieben. Es spricht alles dagegen, ohne Zeitdruck Fehlplanungen zu betreiben. - 3. Wenn Kunstministerium, Gerichtshof und Justiziministerium einen Umzug nicht ablehnen, ja, großartig, dann muß man da einhaken! Erwartet Junge, daß diese Institutionen ganz von allein das Feld räumen? Sie haben ja schon Einverständnis signalisiert! Ich fasse es nicht.]

Deshalb haben Oberbürgermeister Bertram Hilgen und Junge im jüngsten Gespräch mit Kunstminister Udo Corts erklärt, dass sie für das Grimm-Museum am alten Standort festhalten wollen. Allerdings will sich Junge dafür einsetzen, langfristig die Torwache als Sitz der Grimm-Akademie zu gewinnen.
[An der Museumsinsel Brüder-Grimm-Platz soll also eine Akademie, von der man noch nicht weiß, was sie tun soll, wie sie finanziert werden soll und ob es sie überhaupt geben soll, einziehen, obwohl sie, was auch immer sie sein wird, kein Publikumsmagnet sein kann. Die Grimm-Bibliothek aber bleibt notwendigerweise im Grimm-Museum im Bellevue (»Denn die«, so Dirk Schwarze in seinem Kommentar zum zitierten Beitrag, »ist bei einem Literaturmuseum Teil des Museums«. Und die Verwaltung kommt, da der Platz im Bellevue nun einmal hinten und vorn nicht reicht, an einen dritten Standort:]

Noch in diesem Jahr soll ein Wettbewerb für die Bebauung des Eckgrundstückes Frankfurter-/ Fünffensterstraße (gegenüber dem Palais Bellevue) ausgeschrieben werden. In diesem Gebäude sollten nach Junges Worten Räume für die Verwaltung, Bibliothek und Tagungen des Grimm-Museums geschaffen werden. In einem zweiten Bauabschnitt könnte Raum für die Stadtbibliothek entstehen.

[Also drei Standorte, getrennt durch breite Straßen, davon ein Komplettneubau, ein unter Denkmal-Aspekten bedenklicher Bellevue-Ausbau - und eines Tages noch ein Torwachenumbau. Das alles ist erkennbar Unfug, ich kann es nicht freundlicher ausdrücken. Bitte, lieber Herr Junge, lieber Herr Hilgen, lieber Herr Lauer, folgen Sie dem Wunsch der Bürger (siehe den Brief an Minister Corts im Kapitel »Brüder-Grimm-Platz« auf dieser Website), folgen Sie der Vernunft und planen Sie am authentischen Ort, der genug Platz für alles bietet: Der Torwache und dem angrenzenden Gebäude!]

[Die Torwache ist, anders als das Palais Bellevue, nicht ein beliebiges altes Haus, sondern war Wohnung der Brüder Grimm. Hier ist also ein historischer Grimm-Ort, der sich damit als Standort für das Brüder-Grimm-Museum geradezu aufdrängt, zumal wenn Räume wenigstens teilweise rekonstruiert werden können. Die Akademie hat dagegen keinen zwingenden Bezug zu gerade diesem Ort. Es ist daher nicht nachvollziehbar, wieso das Verwaltungsgericht nach abgeschlossenem Umbau für einen solchen Zweck noch Räume freimachen sollte. Die Vorstellungen von Herrn Junge sind, jedenfalls so, wie sie in der HNA zitiert werden, in sich nicht schlüssig. S.L.]

* * *

HNA vom 27. Mai 2006:

Die Stadt muss sich bewegen
Kunstminister Udo Corts zur Museumslandschaft - Gespräch mit der HNA-Redaktion Von Dirk Schwarze
Kunstminister Udo Corts (CDU) hat eine Vision: In 20 Jahren, wenn er 71 ist, kommt er nach Kassel und sieht, wie sich die Museumslandschaft entwickelt hat: Touristen tummeln sich im Besucherzentrum am Herkules und im dann zugänglichen Oktogon, alle drei Flügel von Schloss Wilhelmshöhe sind in Museumsräume verwandelt, der Brüder-Grimm-Platz ist zu einer Art Museumsforum geworden, und vielleicht gibt es auch ein Technikmuseum, das die Stadt, der Landkreis, das Land und die Industrie gemeinsam tragen.

[Das gibt Anlaß zur Hoffnung einer ruhig überdachten Neuplanung: daß Udo Corts mit den genannten Neuigkeiten erst in 20 Jahren rechnet. Bisher hatte man den Eindruck, das solle alles übernächstes Jahr schon fertig und touristendurchtummelt sein.]

Corts liebt die Vision und natürlich auch den Gedanken, den Anstoß für die Planungen gegeben zu haben. Und er ist stolz darauf, dass die Regierung und der Landtag die Idee aufgenommen und der 200-Millionen-Euro-Investition für die Museumslandschaft zugestimmt haben.
[Es wurde schon oft erwähnt, hier dennoch ein weiteres Mal: Für unaufschiebbare Gebäudesanierungen im Bergpark (Herkules, Löwenburg, Wasserfälle) gibt es ca. 180 Millionen Euro, für die Museen bleiben dann noch 20 Millionen. Verglichen mit Museums-Investitionen um Besucher konkurrierender Städte wirkt diese Summe erheblich weniger grandios, als die Eigenlob-Reden glauben machen möchten. Sinnvoll ausgegeben, können diese Millionen viel Gutes für die Museumslandschaft Kassel tun (die es, nebenbei erwähnt, seit über 200 Jahren gibt); falsch ausgegeben, läßt sich mit dieser Summe noch mehr zerstören.]

Die Vision wird aber nur Wirklichkeit, wenn die Stadt bei bestimmten Projekten mitzieht.
[Daß der der Minister der Stadt das via Presse ins Stammbuch schreiben muß, erzeugt allgemein schon seit Längerem Kopfschüttelmuskelkater.]

Denn Kassel muss für die Verkehrsführung (und die Parkplätze) rund um den Bergpark sorgen; genauso muss die Stadt deutlich machen, wie sie sich in Sachen Grimm verhält, und ob sie neben dem Museum und der Akademie auch einen Märchenpark mit Hotel will. Wenn die Rede auf die Stadt kommt, äußert sich Corts betont freundlich und nachdrücklich diplomatisch.
[Ja, wie denn nun: nachdrücklich oder diplomatisch?]

[...]
Dennoch endet fast jede Ausführung bei der Forderung: Die Stadt muss sich bewegen. Es genüge nicht, wenn sie alternative Lösungsvorschläge etwa zur Zukunft der Tulpenallee oder der Parkplätze am Bergpark vorlege. Sie selbst müsse sich entscheiden [...].
[Die Beteiligung der Stadt wollte das Land in der euphorischen (und reichlich wirklichkeitsresistenten) Ideen- und Konzeptphase nicht haben, also damals, als man noch hinter verschlossenen Türen Spaß mit Frankfurtern und Wienern hatte, sondern erst jetzt, wo es ungemütlich wird. Per HNA den Schwarzen Peter weiterzuschieben sollte eines Kunstministers so lange unwürdig sein, wie sich noch irgendein diplomatischerer Kommunikationsweg findet.]

Um eine langfristige Basis für die Zusammenarbeit zu finden, strebt deshalb das Land einen Kulturvertrag mit der Stadt an [...]. Ein solcher Kulturvertrag soll in dem gemeinsamen Lenkungsausschuß, der regelmäßig tagt, verhandelt werden. [...]
[Es gibt also keinen Kulturvertrag mit der Stadt. Und das »20seitige Positionspapier«, das der Kasseler Kulturdezernent Thomas-Erik Junge an das Land geschickt hat (siehe unten, »Die Aufgaben der Stadt«), kommt gar nicht mehr vor. Und gibt es den Lenkungsausschuß schon? Er scheint mehr Ausschuß als Lenkung zu produzieren ...]

* * *

HNA vom 22.05.2006:
Siehe das Kapitel »Die Aufgaben der Stadt«.

* * *

HNA vom 12. Mai 2006:
Auf der Suche nach einer neuen Rolle
Bürgermeister Thomas-Erik Junge und die Zeit nach der großen Euphorie Von Florian Hagemann
[...] Denn seitdem [seit der gescheiterten Bewerbung um die Europäische Kulturhauptstadt 2010] sucht der 58-Jährige mehr noch als die Stadt selbst nach einer neuen Rolle. [...] Zumal selbst Kleinigkeiten nicht rund laufen: Ein Termin für die geplante Bürgerbeteiligung zur Museumslandschaft ist nocht immer nicht gefunden.
[Abgesehen davon, daß die Formulierung der HNA, die Bürgerbeteiligung sei eine Kleinigkeit, die Vermutung stützt, daß es sich um eine Beteiligungs-Simulation handeln wird und nicht geplant ist, sich von einer solchen Beteiligung beeinflussen zu lassen: Falls Bürgermeister Thomas-Erik Junge tatsächlich neue Aufgaben braucht, so böte es sich doch an, die Welterbe- und die Museumslandschaft-Planung so zu vernetzen, daß beide Projekte profitieren. Der Kulturdezernet hätte die Chance, die unerträgliche Situation zu beenden, daß Kultur gegen Kultur ausgespielt wird und daß eine Museums-Planung, die allerhöchstens für 15 Jahre gelten wird, einen Welterbe-Status, der für alle auch nur halbwegs planbaren Zeiten gelten wird, gefährdet.]


* * *

HNA vom 11. Mai 2006:

Museumspark: Diskussion noch vor Sommerpause
KASSEL. Die geplante Bürgerbeteiligung zur Museumslandschaft soll noch vor der Sommerpause stattfinden. Das sagte Bürgermeister und Kulturdezernent Thomas-Erik Junge gestern auf HNA-Anfrage. Ursprünglich war die Diskussionsveranstaltung, die interessierte Bürger in das Projekt Museumslandschaft einbinden soll, für April geplant. Derzeit bemühe man sich im Rathaus, zwischen Landesregierung, staatlichen Museen und Oberbürgermeister einen gemeinsamen Termin abzustimmen. [...]

* * *

Deutsche Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftskultur, in »Garten und Landschaft« 2/2006 S.60.
Vollständige Fassung auf der Website
www.historischegaerten.de (dort in der rechten Spalte). Auszüge:

Wieder einmal wird die renommierte Verwaltung der Schlösser und Gärten in Hessen zur Ader gelassen. Nachdem der Sckellpark in Wiesbaden-Biebrich dieser Verwaltung entzogen und dem Hessischen Immobilienmanagement unterstellt wurde, ist nun das Herzstück der landesweiten Homburger Verwaltung, der Park Wilhelmshöhe, die Karlsaue und der Schlosspark Wilhelmsthal in Calden bei Kassel aus der Bad Homburger Fachverwaltung gelöst worden. Anlass gab das neue Museumskonzept Kassel [...]. Dass durch Zentralisierung der Kutluraufgaben in der Stadt Kassel Ressourcen gespart und darüber hinaus die Zusammenarbeit der Kasseler Kultureinrichtungen verbessert werden soll, ist ein vernünftiges Ziel. Ärgerlich ist jedoch, wie man mit der Gartenverwaltung in Bad Homburg umgeht. Man beteiligte sie nicht an den Beratungen, nicht einmal das kürzlich fertiggestellte Parkpflegewerk Bergpark Wilhelmshöhe wurde herangezogen. Dies hat den Leiter des Arbeitskreises Historische Gärten der DGGL, Klaus-Henning von Krosigk, veranlasst, einen kritischen Brief an den hessischen Wissenschaftsminister Udo Corts zu schicken, der bisher aber unbeantwortet blieb. [...]

* * *

Süddeutsche Zeitung vom 01.02.2006:
Mythen, Märchen und Märkte
In Kassel soll die weltberühmte Museums- und Denkmal-Landschaft fundamental neu geordnet und uminterpretiert werden von Ira Mazzoni

[...] Der umfassende Masterplan versucht durch neue »Mythen« und »Märchen« einen touristisch attraktiven Stadtplan zu entwickeln. [...] Die Gutachter gehen »von einer einzigen Staatlichen Sammlung als Fundus aus, aus dem heraus verschiedene ›Erzählungen‹ in den verschiedenen Häusern bestückt werden«. Entsteht da also ein kurioser Themenpark? Eissenhauer beruhigt: Die Studie sei keine Rahmenrichtlinie. [...]

Jetzt schafft Hessen die Schlösserverwaltung für Kassel ab. Das »Museum im Park« soll zukünftig als »Gesamtkunstwerk« wahrgenommen werden. [...] Die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Schlösserverwaltungen ist alarmiert [...].

Denkt nicht über Geschichten nach, sondern über Geschichte! Dies ist das einzige Korrektiv zum verworrenen museologischen Bogner-Konzept. [...] Dringend ist vor zu hohen »Zinserwartungen« und ganzjährigem Eventmarketing zu warnen.


* * *

Resolution der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Schlösserverwaltungen
vom 20.12.2005 zu dem im Auftrag des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst erstellten Gutachten Museumslandschaft Kassel. Hier klicken für die vollständige Stellungnahme. Auszüge:

Die Arbeitsgemeinschaft deutscher Schlösserverwaltungen begrüßt die Initiative zur Neuordnung der Kasseler Museumslandschaft [...] Das Projekt erweist sich vor dem Hintergrund einer Antragstellung zur Aufnahme des Denkmalensembles »Schloss und Park Wilhelmshöhe« in die UNESCO-Welterbeliste auch als durchaus sinnvoll. [...] Das Ensemble aus Schloss und Park Kassel-Wilhelmshöhe wird zu Recht als ein einzigartiges Gesamtkunstwerk aus Kunst und gestalteter Natur, aus Architektur, Raumausstattung und Kunstsammlungen, aber auch aus Gartenanlagen und Kulturlandschaft bezeichnet und verdient die ihm nunmehr zugedachte öffentliche Aufmerksamkeit.

Bedauerlicherweise trägt das vorgelegte Gutachten der Vielschichtigkeit der Gesamtanlage von Kassel-Wilhelmshöhe in einigen wichtigen Punkten nicht Rechnung. Die heute im übergreifenden Rahmen des Parks als geschlossenes Ensemble erscheinende Anlage ist keineswegs aus einem Guss hervorgegangen, sondern bezieht ihre besondere Geschlossenheit aus einer kontinuierlichen historischen Entwicklung unter Verarbeitung vieler, sukzessiv ergänzter, aber dennoch aus sich aussagekräftiger Einzelkomponenten. Die im Gutachten geforderte Konstruktion eines »fiktiven fürstlichen Kosmos« entspricht nicht dem historisch gegebenen Bestand. Eine solche Fiktion wird letztlich nur im Kopf des Besuchers evoziert
werden können, weil vor Ort eine komplexe Geschichtslandschaft entstanden ist, in der sich
Einzeldenkmale als Teil eines übergeordneten Denkmalensembles präsentieren müssen.
[...]

1. Leider wurde im Gutachten die besondere Denkmalwertigkeit des ehemaligen Schlosses Weißenstein als Ausgangspunkt der heutigen Parkanlage nicht erkannt. [...]
2. Das Gutachten leidet auch unter einer zu geringen Berücksichtigung der hohen Bedeutung des Gesamtdenkmals aus Schloss und Park Wilhelmshöhe für die Entwicklung des Projektes »Museumslandschaft Kassel«. [...]
3. Mit der angestrebten Neuinterpretation des Museumsschlosses als Einheit aus Schlossmuseum und Museumsschloss, wie es das Gutachten fordert, soll in Schloss Wilhelmshöhe die Fiktion eines »fürstlichen Kosmos« entstehen, wie er auf Wilhelmshöhe nie existiert hat.
[...]
4. Keinerlei Würdigung im Gutachten erfährt der Umstand, dass es sich bei Schloss Wilhelmshöhe um ein Schlossensemble handelt, dessen Zusammensetzung aus Schlossgebäude und Schlossausstattung einerseits und Gartenanlagen andererseits eben die besondere Fachkompetenz in der notwendigen Verwaltung erfordert, die es ermöglicht, die miteinander konkurrierenden Fachinteressen für Bauwesen und Raumausstattung, Schloss- und Gartenarchitektur, Denkmalpflege und Ökonomie, historische Authentizität und anschauliche Präsentation zu gewährleisten und zugleich unter einen Hut zu bringen. Für diese Aufgabe wurde seit beinahe 100 Jahren das Modell der denkmalbezogenen Gesamtverwaltung in Form der Schlösser- und Gartenverwaltungen entwickelt, das sich fachlich durch museologische Sachkenntnis alleine nicht ersetzen lässt.

Diese erkennbaren Lücken des Gutachtens »Museumslandschaft Kassel« lassen es dringend angeraten erscheinen, das Projekt in ihrer aktuell konzeptionell umzusetzenden Phase weiteren sorgfältigen Prüfungen zu unterziehen und vorerst keine voreiligen Schlüsse aus dem Gutachten zu ziehen. Es wäre fatal, wenn das Gutachten trotz der Einseitigkeit zum Anlass von
irreversiblen Fakten werden würde. Als erste Studie zur Entwicklung der »Museumslandschaft
Kassel« kann das Gutachten aber durchaus den Ausgangspunkt für den gebotenen Wettbewerb
der Meinungen und die sorgfältige qualitative Überprüfung der entwickelten Ideen bilden.
[...]

* * *

F.A.Z. vom 12.05.2005. www.faz.net.
Kasseleien
Herkulisch: Der Masterplan für die Museen der Documenta-Stadt
von Thomas Wagner

Die Bewerbung Kassels zur Kulturhauptstadt Europas ist gescheitert. Weder der über die Stadt wachende Herkules konnte das verhindern noch der ambitionierte Masterplan (F.A.Z. vom 15.September 2004 und vom 9.März), der die »Kasseler Museumslandschaft« neu ordnen und den ebenso vielfältigen wie reichhaltigen Beständen endlich jene Aufmerksamkeit sichern sollte, die sie verdienen. Die »Visionen« für Kassel reichen indes weit in die Zukunft und bleiben deshalb vom Welken der Blütenträume einer europäischen Kulturhauptstadt weitgehend unberührt.

Allein, auch die »widersprüchlichen Eindrücke«, wie sie Udo Corts bei seinem ersten Besuch als Minister für Wissenschaft und Kunst in Kassel in sich hervorgerufen sah, bestehen fort. »Auf der einen Seite«, bekennt dieser in einer Broschüre zum Masterplan, »das Gefühl, einem gewaltigen kulturellen und kulturhistorischen Potential gegenüberzustehen, auf der anderen Seite der Eindruck, daß dessen einzelne Elemente sehr beziehungslos nebeneinanderstehen, daß sie kein Ganzes bilden und als solches auch kaum präsentiert werden können und daß vieles renovierungsbedürftig ist.« Wo man heute nur Teile sieht, soll ein Ganzes werden. Fraglich indes bleibt, wie dies erreicht werden kann. Schließlich ist das vorliegende Konzept nicht ohne Alternativen.

Der Masterplan formuliert eine auf die nächsten zehn Jahre angelegte Perspektive und sieht im wesentlichen drei Bereiche vor: erstens einen »Fürstlichen Kosmos«, der Schloß und Park Wilhelmshöhe umfaßt und in der Karlsaue seine Ergänzung findet. Zweitens einen »Geschichts- und Märchenpark« rund um den Brüder-Grimm-Platz, das Landesmuseum sowie den Murhard-Park. Und drittens einen etwas verlegen »Kassel modern« getauften Komplex mit der Documenta, der Neuen Galerie und dem Kulturbahnhof. Blumig spricht man von »thematisch homogenen« Kulturbezirken und erklärt das » Öffnen« - von Räumen, Blicken und Durchgängen, von Zusammenhängen, Themen, für neue Zielgruppen und wirtschaftliche Ziele - ausdrücklich zum obersten Planungsziel. Selbst wenn damit eine unterirdisch verlaufende Rolltreppe gemeint ist.

Schaut man genauer hin, was Albert Speer&Partner in Zusammenarbeit mit dem Museologen Dieter Bogner und »in einem ständigen Diskussionsprozeß mit dem Auftraggeber« (Corts) - also mit dem Land Hessen, der Stadt und dem Landkreis Kassel - skizziert haben, so läßt sich dessen Untauglichkeit schon jetzt erkennen. Denn propagiert wird für den Bergpark und Schloß Wilhelmshöhe eine »Wunderwelt«, die sich vor allem durch Wunderlichkeiten auszeichnet. Man braucht nicht viel Phantasie, um sich die postmodern aufgeblasenen und mit allerlei museologischem Trallala auftrumpfende Collage der Fürstenwelt vorzustellen, die das Schloß angeblich aus seinem Schlaf wecken und touristisch aufpeppen soll. Auch wenn an den Details noch gefeilt wird: Diese »Vision« ersetzt historische Wahrheit durch zweifelhafte szenographische Effekte und ist obendrein finanziell äußerst riskant.

Weitgehend unproblematisch erscheinen lediglich die ersten, zum Teil schon beschlossenen Maßnahmen: die Sanierung des Herkules und der Löwenburg sowie der Bau zweier Besucherzentren. Schon mit der Sanierung und Erweiterung der Neuen Galerie und des Landesmuseums werden Vorentscheidungen für eine künftige Gesamtstruktur getroffen, die in ihren weitreichenden Konsequenzen für die Umschichtung einzelner Bestände bislang keineswegs ausreichend diskutiert wurden.

Mit dem Bergpark Wilhelmshöhe und den Sammlungen Alter Meister besitzt Kassel in der Tat ein einmaliges Ensemble, in dem das ästhetische Empfinden mehrerer Epochen Ausdruck findet. Daraus folgt freilich nicht, daß man daraus eine Mischung aus Neuschwanstein und Expo machen muß, um die herum der Halbgott Herkules als Geist der Stärke seine Keule schwingt. Statt sich durch ein kulturhistorisches Konzept, das Geschichte postmodern zu einem »fürstlichen Kosmos« arrangieren will und die historische Wahrheit ins Unverbindliche sich verflüchtigen läßt, aus dem Kreis der großen europäischen Pinakotheken und deren Ausstellungsbetrieb abzukoppeln, sollte hier eher Anschluß gesucht werden. Touristisch erschließbar und aktivierbar sind Herkules, Bergpark und Löwenburg, aber nicht im gleichen Maß die Gemäldegalerie Alter Meister. Würde man die - vor allem im Sommer zu erwartenden - Besuchermassen, die Bergpark, Herkules und Löwenburg locken, mit einer Klientel verbinden, die sich für Ausstellungen im Netzwerk der internationalen Museen von Rang begeistert, so könnten zwei Chancen zugleich genutzt werden. Das Interesse an Kunstausstellung ist in Deutschland derzeit enorm - nicht nur, wenn das MoMA lockt.


[...] Der Bergpark rund um Schloß Wilhelmshöhe taugt nicht zum Freizeitpark nach dem Muster eines gehobenen Phantasialandes. Das Scherzwort vom »Herkuland« könnte schon bald bittere Realität werden, mit allen Enttäuschungen und mit unabsehbaren Folgekosten.

[...] Neben der Debatte über Bergpark und Schloß Wilhelmshöhe muß sodann endlich über eine Belebung des Stadtzentrums nachgedacht werden. Der vorgesehene »Geschichts- und Märchenpark« rund um die Brüder Grimm samt Hotel, Landesmuseum und Museum für Sepulkralkultur mischt in der bislang erkennbaren Form offenbar all das, was nur schwer zueinanderfindet und deshalb zusammengezwungen werden soll. Vollends hilflos erscheinen die Pläne innerhalb des »Kassel modern« getauften Dreiecks. Hier bleibt es unverständlich, weshalb das Museum Fridericianum zwar als »Mittelpunkt« erkannt, aber beharrlich aus allen Überlegungen ausgeschlossen wird. Immerhin trat Kassel mit der Eröffnung des vom Hofarchitekten Simon Louis du Ry entworfenen Museums Fridericianum durch Landgraf FriedrichII. im Jahre 1779 an die Spitze der kontinentalen Museumsentwicklung. Wo in anderen Residenzstädten wie Stuttgart oder Potsdam ein Schloß gebaut wurde, entstand in Kassel ein Museum, ein »Tempel der Bildung«. [...]

* * *

F.A.Z. vom 09.03.2005. www.faz.net.
Auf der Rolltreppe ins Herculand
Barockes Fest im Bergpark: In Kassel soll die gesamte Museumslandschaft umgekrempelt werden
von Tilman Spreckelsen

[...] Wegen soviel Schönheit in einer so unspektakulären Fassung gilt Kassel vielen als kulturell gründlich unterschätzt, wenigstens in den Pausen zwischen den Documenta-Ausstellungen. So steckt in dem Aufbruch, den die Stadt jetzt unternimmt (F.A.Z. vom 15.September 2004), auch ein wenig Trotz, der Wille, der unverständigen Welt zu zeigen, was Kassel alles zu bieten hat - und warum die Stadt in fünf Jahren eine würdige europäische Kulturhauptstadt sein könnte. Eine Shortlist der deutschen Bewerberstädte wird in den nächsten Tagen bekanntgegeben werden.

Doch Kassels Pläne reichen weit über dieses Datum hinaus. Als im Zuge der Kulturhauptstadt-Bewerbung das Auswahlgremium für den deutschen Kandidaten am 20. Februar die Stadt besuchte, hatten kurz zuvor Mitarbeiter des Frankfurter Architekturbüros Albert Speer&Partner (AS&P) in Berlin einen »Masterplan« für Kassels Kultur vorgestellt: Ausgehend von drei thematischen wie räumlichen Zentren, sollen die vorhandenen Museen mit ihren Sammlungen umfassend neu geordnet und dabei notwendige Sanierungen - etwa der Neuen Galerie, der Löwenburg oder des Herkules - durchgeführt werden. Am Ende sieht der Plan einen »Geschichts- und Märchenpark« rund um das Hessische Landesmuseum, ein »Kassel modern« getauftes Areal um das Fridericianum und schließlich, so heißt es in einer jüngst publizierten Broschüre, den Ausbau des »Gesamtkunstwerks Bergpark Wilhelmshöhe« zu einer »einzigartigen Attraktion für ein regionales und internationales Publikum« vor. Es ist dieser letzte Punkt, der in Kassel einige Nervosität verursacht.

Denn der Masterplan, für dessen Umsetzung das Land Hessen in den nächsten Jahren bis zu 200 Millionen Euro bereitstellen könnte (knapp 100 Millionen sind bereits bewilligt), hat sich »einer neuen Wahrnehmung des Parks« verschrieben, sagt Michael Eissenhauer, der Direktor der Staatlichen Museen Kassel. Und das heißt: Für die Besucher von Park und Museen, deren Zahl sich, geht es nach den Planern, langfristig mehr als verdoppeln soll, werden gleich zwei Besucherzentren eingerichtet (eines davon, am Herkules, soll ganz neu gebaut werden), durch den Park sollen Busse rollen, um die immer älteren Gäste zu transportieren (»Denken Sie an den demographischen Wandel!« mahnt der Museumsdirektor), hinzu kommen Gastronomie und Gästebetten in bequemer Nähe. Und weil die Sammlung in Schloß Wilhelmshöhe ein »zentrales Entree« brauche, findet Eissenhauer einen besonders umstrittenen Vorschlag der Frankfurter Masterplaner zumindest »spannend«: einen Tunnel mitten durch den Schloßberg, der die Gäste mit einer Art Rolltreppe geradewegs ins Untergeschoß des Museums bringen soll. Wessen Bedürfnissen dieses aktionistisch anmutende, völlig ahistorische Vorhaben gerecht werden will, ist sehr unklar.

Auch Jens Jakob Happ von AS&P, einer der Autoren des Masterplans, spricht von der »Schwellenangst« potentieller Besucher, die es zu überwinden gelte, etwa indem man für deren Bequemlichkeit sorge und ihnen für ihr Geld auch etwas biete.

Dies vor allem markiert die neue Perspektive, mit der hier auf den Park geblickt wird. Denn natürlich ist es Teil des Konzepts, neue Einnahmequellen zu erschließen. So könnten, sagt Happ, beispielsweise die Kosten für die traditionellen Wasserspiele auf den Kaskaden, die vom Herkules bergab führen, von den Gästen erhoben werden - dabei müßte freilich ein Teil des bislang offenen Parks jeweils für zahlende Besucher reserviert werden. Der Anmutung und Tradition der Anlage widerspricht ein solches Vorhaben gründlich, aber es hat den Anschein, daß dieser Traditionsbruch von den Planern nicht nur in Kauf genommen, sondern im Sinne einer Neubewertung des Parks auch gewollt wird. Jedenfalls wollen Happ und seine Kollegen hier an Stelle des bisherigen »Volksparkcharakters« den »Eindruck eines barocken Festes« vermitteln, verbunden mit einer »größeren Betreuung der Besucher«. Was immer das konkret bedeuten wird, unter den Gegnern dieser Pläne geht jetzt schon das böse Wort vom »Herculand« um.

Denn natürlich stellt sich die Frage, mit welchen Besucherzahlen - und mit welchen Einnahmen - die Masterplaner intern fest rechnen, was passieren wird, wenn die erwarteten Massen eben nicht nach Kassel strömen, wenn sich nicht genügend zahlende Liebhaber barocker Festlichkeit finden und die Rolltreppe unter dem aufgebohrten Schloßberg verwaist, die Besucherzentren veröden und der neue, große Parkplatz im Gelände der bisherigen Wendeschleife der Straßenbahnlinie 1 leer steht. Andere Kritiker bemängeln, daß im Zuge der Planungen Sammlungen aus Museen der Innenstadt in Richtung Wilhelmshöhe abwandern sollen, etwa das Tapetenmuseum.

Es gibt allerdings noch einen anderen Plan für den Park, der um etliches älter ist als der neue Masterplan. Denn das Areal steht seit 1986 auf der deutschen Auswahlliste für das Unesco-Welterbe. Kasseler Bürger befürchten nun, daß einige der im Masterplan vorgesehenen Maßnahmen die endgültige Einstufung des Parks als Welterbe verhindern könnten - denn die Unesco-Kriterien verlangen, völlig zu Recht, »Echtheit« und »Unversehrtheit« der Anlage, während der neue Plan Neubauten in der Pufferzone um den eigentlichen Park und am Herkules vorsieht.

So kritisiert der Verein »Bürger für das Welterbe« (www.kassel-welterbe.de), daß die geplanten Veränderungen nicht organisch aus dem Park heraus entwickelt würden: Er vermisse, sagt Hardy Fischer, der Vorsitzende des Vereins, »einen Ansprechpartner, der für den Schutz des Parks zuständig ist. Denn das Gartenkunstwerk hat keinen starken Anwalt - es wird immer nur so mitbehandelt.« Was »die Planer da so machen«, stuft Fischer als »ein bißchen autistisch« ein. Und da gegenwärtig ein »Parkpflegewerk für Wilhelmshöhe in Arbeit« sei, das noch einmal ganz eigene Richtlinien für den Umgang mit dem Park entwickeln werde, stehe der Masterplan »sowieso auf tönernen Füßen«.

Umgekehrt will Happs Kollege Gerhard Brand von AS&P beim Verein »eine Art Fundamentalismus gespürt« haben, und Happ warnt im Zusammenhang mit dem Weltkulturerbe vor »Gutachterstreit und Stillstand«. Deshalb - und weil es auch »keine einheitlichen Kriterien« für den Zustand der verschiedenen Weltkulturstätten gebe - wäre es sinnvoller, erst zu planen und dann möglicherweise die Entwürfe eventuellen Einwänden gemäß zu modifizieren, als diese schon von vornherein miteinzubeziehen.

Bei allem Streit: Daß jetzt in einer Reihe von ersten Maßnahmen der Herkules, die Löwenburg und der Weißenstein-Flügel in Schloß Wilhelmshöhe saniert werden, begrüßen alle, und wer wie die meisten Kasseler Bürger die einst als Teilruine angelegte Löwenburg, die dann später im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt wurde, noch nie mit ihrem Bergfried gesehen hat, wird den Wiederaufbau kaum erwarten können. Wenn im Zuge dieser Rekonstruktion dann auch der Rittersaal des mittelaltersüchtigen Landgrafen Wilhelm IX. wiederhergestellt werden wird, darf man das Jahr, in dem diese Rekonstruktion beschlossen wurde, getrost schätzen.

Zudem enthält der Masterplan neben den bereits beschlossenen Maßnahmen eine Reihe von Vorschlägen, über die noch entschieden werden muß. Wie sich dabei der gerade neugewählte Kasseler Oberbürgermeister Bertram Hilgen verhalten wird, ist ebenso ungewiß wie die Rolle, die ein Scheitern oder Gelingen der Kulturhauptstadt-Bewerbung für die weiteren Pläne spielen wird.

Vor allem aber wird man sich fragen müssen, ob denn der Preis, der für Eissenhauers »neue Wahrnehmung des Parks« entrichtet werden soll, nicht zu hoch ausfällt.
[...]

 

(Nach oben zum Inhaltsverzeichnis.)

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