Mängel und Vorschläge

Mangel 1: Die UNESCO-Welterbe-Planung wird durch die vorliegende Museumslandschaftsplanung unterlaufen.
Mangel 2: Die Kasseler Museen werden geschädigt, Wilhelmshöhe wird auf Kosten der Innenstadt aufgewertet, Chancen für die Innenstadt werden verpaßt.
Mangel 3: Das Gutachten läßt auf dem Gebiet der Touristik und Verkehrsplanung Qualität vermissen.
Mangel 4: Eine städtische Beteiligung an diesen für die Stadt Kassel vitalen Themen ist kaum festzustellen. Obwohl eine Bürgerbeteiligung erst angekündigt ist, stehen wesentliche Planungsteile offenbar schon fest.

Zu Mangel 1: Die UNESCO-Welterbe-Planung wird durch die vorliegende Museumslandschaftsplanung unterlaufen.
Am 20.04.2004 stellte der Verein »Bürger für das Welterbe« ein Positionspapier zusammen, das er bei einem Treffen den Planern Jens Jakob Happ (Albert Speer & Partner) und Dieter Bogner (Bogner Cultural Consulting) überreichte. (Für das Positionspapier bitte auf diese Zeile klicken.) Die darin genannten Gefährdungen der Park-Qualität und damit des Welterbe-Status wurden durch Planungen wie einen Parkplatz im wertvollen Parkvorfeld (siehe auch weiter unten unter »Berichte) oder eine Rolltreppe in der historischen Achse auf dem Schloßhügel noch übertroffen. Inzwischen sind die drei Parks, die zum Welterbe erklärt werden sollen, der Verwaltung der Schlösser und Gärten Hessen entzogen und werden von den Staatlichen Museen verwaltet - ohne daß dort ein Gartendenkmalpfleger vorhanden wäre. Die Folgen sind allenthalben bereits sichtbar, an warnenden Stimmen von Fachleuten aus ganz Deutschland mangelt es nicht (siehe »Presse«).
Vorschlag: Es wird ein Welterbe-Beauftragter eingesetzt, wie dies vor Jahren schon 2002 auf einer Podiumsdiskussion des Vereins »Bürger für das Welterbe« von dem bei der Mittelrhein-UNESCO-Anmeldung so erfolgreichen Herrn Dr. Heino Rönneper als unabdingbar bezeichnet wurde. Dieser Beauftragte muß vom Land Hessen eingesetzt werden, ein renommierter Gartendenkmalpfleger sein und in Kontakt mit der UNESCO stehen. Er (oder sie) muß in alle Planungsprozesse, die das Welterbe betreffen, einbezogen werden.

Zu Mangel 2: Die Kasseler Museen werden geschädigt, Wilhelmshöhe wird auf Kosten der Innenstadt aufgewertet, Chancen für die Innenstadt werden verpaßt.
Besonders wertvolle Stücke der Sammlungen, die sich in staatlichen Museen in der Stadt Kassel befinden, sollen nach wie vor nach Wilhelmshöhe geschafft und zu einem »fürstlichen Kosmos« vereinigt werden; in der Stadt sollen Sammlungen zum Teil sogar geschlossen werden, so etwa die Design-Sammlung in der Torwache. Die »postmodern aufgeblasenene und mit allerlei museologischem Trallala auftrumpfende Collage« (FAZ, siehe das Kapitel »Presse«) stellt ein willkürliches Auseinanderreißen historisch gewachsener Sammlungen dar. Warnende Stimmen von Fachleuten und Qualitätspresse sind auch hier zahlreich. Der von zahlreichen Seiten vorgetragene Vorschlag, den Brüder-Grimm-Platz als städtisches Gegengewicht aufzubauen, also einen Ort, der städtebaulich bedeutend ist und neben dem Landesmuseum und der Murhardschen Bibliothek auch die ehemalige Arnoldsche Tapetenfabrik sowie mit der Torwache das Wohnhaus der Brüder Grimm enthält, wird offenbar nicht weiterverfolgt. Der Kasseler Kabarettist Karl Garff hat es bei einer der Präsentationen der Museumslandschaft-Planer in einer Wortmeldung auf den Punkt gebracht: Er vermisse Inhaltsplanung und sehe nur Architekturplanung.
Vorschlag: In die Planung der »Museumslandschaft Kassel« werden ausgewiesene Museologen und ortskundige Fachleute einbezogen und damit Leute, denen an der nachhaltigen, langjährigen Entwicklung der Stadt Kassel gelegen ist. Die Museumslandschaft Kassel wird so angelegt, daß das Stadtgebiet an Attraktivität gewinnt. Der Brüder-Grimm-Platz wird als stadtseitige »Museumsinsel« geplant; sämtliche in der Stadt gelegenen Museen werden in die Planungen einbezogen.

Zu Mangel 3: Das Gutachten läßt auf dem Gebiet der Touristik und Verkehrsplanung Qualität vermissen.
Die Museumslandschaft-Planung sieht als wichtigstes Besucherzentrum den Neubau im Parkvorfeld, der auch das alte Endhaltestellengebäude umfaßt, vor. Der naheliegende Plan, das Besucherzentrum in die Nähe des Bahnhofs Wilhelmshöhe und damit näher an die Stadt zu rücken, ist offenbar nie genauer untersucht worden. Parkraumbewirtschaftung dürfte unmittelbar neben der Villenkolonie Mulang unmöglich sein, das Umfeld des Bahnhofs Wilhelmshöhe hingegen ist über die Druseltalstraße gut an die Autobahn angeschlossen und läßt eine Parkraumbewirtschaftung zu. Von dort kann der Besucher mit mehreren Straßenbahnlinien in die Stadt gelangen, vom Parkvorfeld aus nur mit der Linie 1. Und das Umfeld des Bahnhofs Wilhelmshöhe mit Vorderem Westen und Wilhelmshöher Allee weist, im Gegensatz zum Parkvorfeld, Hotel- und Gastronomiebetriebe auf.
Vorschlag: Kompetente Touristiker werden in die Planungen einbezogen. Verkehrsplanungen erfolgen unter ausschließlich nachhaltigen, rationalen Gesichtspunkten, ohne Rücksicht auf Stadt-Trägheiten oder die bestehende Museumslandschafts-Planung, sondern nur mit Rücksicht auf Vernunft.

Zu Mangel 4: Eine städtische Beteiligung an diesen für die Stadt Kassel vitalen Themen ist kaum festzustellen. Obwohl eine Bürgerbeteiligung erst angekündigt ist, stehen wesentliche Planungsteile offenbar schon fest.
Die Museumslandschafts-Planung erfolgte weitestgehend unter dem Ausschluß der Öffentlichkeit und ohne Beteiligung der Stadt Kassel. Solange das Gutachten noch nicht vorlag, also bis Frühsommer 2006, wurden Anregungen und Kritik an bereits bekannten Teilen noch mit dem Hinweis abgetan, man solle doch erst das fertige Gutachten abwarten. Doch fast gleichzeitig mit der Bekanntmachung erfolgten bereits die ersten Beauftragungen: Genannt seien hier die Ausschreibung des Besucherzentrums am Herkules (die mangelhaften Ausschreibungsunterlagen führten zu einem planerischen Chaos, bei dem das Schlimmste nur dadurch verhindert werden konnten, daß der Verein »Bürger für das Welterbe« Herrn Robert de Jong von der ICOMOS-IFLA in den Kreis der Gutachter aufnehmen lassen konnte), die Beauftragungen für den Umbau des Landesmuseums und der Neuen Galerie. Obwohl massiver Protest aus Kreisen der Kasseler Bevölkerung und von zahlreichen kulturinteressierten Bürgerinnen und Bürgern formuliert wird, wird offenbar die Planung ohne eine glaubwürdige, zumindest teilweise ergebnisoffene Beteiligung der Öffentlichkeit weitergetrieben. Seitens des Magistrats der Stadt Kassel und der Stadtverordnetenversammlung besteht eine »Nicht unser Bier«-Haltung (siehe »Anfrage an die Stadtverornetenversammlung weiter unten), sodaß die Planungsaktivitäten, die die Stadt Kassel vital betreffen, praktisch ausschließlich bei den Staatlichen Museen und dem Land Hessen liegen.
Vorschlag: Die Stadtregierung macht die Museumslandschaft-, aber auch die Welterbe-Planungen zur Chefsache. Eine ergebnisoffene, ehrliche Bürgerbeteiligung wird die Planungen in weiten Kreisen verankern.

 

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